Artikel aus: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 2.10.2009 (Lokalnachrichten Donauwörth)

Fantastisches im Färbertörle

Beinroth  Klemz  Donauwörth (pka) - Im Rahmen der Donauwörther Kulturtage zeigen die Kunstfreunde Donauwörth in diesem Jahr eine Ausstellung mit Bildern der Donauwörther Malerin Nicola Klemz und Plastiken des Wemdinger Keramikers Axel Beinroth. Am Sonntag, 4. Oktober, um 11 Uhr wird die Ausstellung von Oberbürgermeister Armin Neudert offiziell eröffnet. Sie dauert bis Sonntag, 25. Oktober.

Was ist wirklich? Ist es das, was wir sehen oder das, was wir denken und empfinden? Ist es das, was aus der Unergründlichkeit unseres Unbewussten aufsteigt oder das, was wir uns einbilden? Das sind einige der Fragen, die dem Betrachter dieser Ausstellung durch den Kopf gehen mögen.
Ein Versuch einer thematischen Gliederung der 63 Bilder gelangt zu etwa sechs Gruppen. Erstens: Symbolhafte Bilder aus der Lebensrealität. Beispiele dafür sind "Die Exilanten", in dem drei fantastisch gestaltete Wesen in einer erfundenen Landschaft zu sehen sind, oder "Trost", das zwei Sich-Umarmende vor einer brennenden Stadt zeigt, und "Der Tag danach", das Überreste einer zerstörten Stadt in nebligem Qualm abbildet, oder das schmerzliche "Verstrickungen", auf dem eine chemotherapierte kahlköpfige Figur in Stricken verfangen in öder Landschaft sich windet. Eine zweite Gruppe umfasst empfindsam gesehene reale Landschaftsbilder, zum Beispiel "Donaulandschaft", "Mondlicht" und "Buggenhofen".
Zu der dritten Gruppe gehören Porträts. Als Beispiele seien genannt "Der Blick hinter den Spiegel", "Erinnerungen an Waltraud B." und "Der Zauberer", das den Dirigenten Sergiu Celebidache darstellt.
Eine vierte Gruppe bereitet dem Kundigen durch Wiedererkennen Vergnügen. Bei diesen Bildern spielt die Künstlerin auf Bilder der Kunstgeschichte an, zum Beispiel auf Manets "Frühstück im Grünen" bei den Bildern "Wenn die Zeit stehen bliebe" und "Manets Freunde warten auf bessere Zeiten" oder bei "Geheimnisse einer vornehmen Dame" auf ein Renaissanceporträt.
In der fünften Gruppe geht es um satirische Entlarvung des Mann-Frau-Verhältnisses, genannt seien "Der Mann - Held oder Narr?", "Der Herzverbrecher" oder "Starke Frauen?".
Die sechste Gruppe berührt den Betrachter durch ihre heitere Anmut, hier bieten die Bilder "Im Reich des Sonnengottes", "Schneckenblume" und "Zerbrechliche Schönheit" Beispiele. Das sind freie Spiele mit der surrealen Bildsprache. Natürlich gibt es thematische Bereiche, die sich nicht strikt der hier getroffenen Einteilung fügen.

Reicher Formenschatz

Gemeinsam ist all diesen Bildern, dass sie aus dem reichen Ideen- und Formenschatz symbolistischer und surrealistischer Darstellungsweisen schöpfen und dass von ihnen eine Ausstrahlung des Traumhaften und Irrationalen ausgesendet wird. Malerische Deutung von Erscheinungen der Außenwelt und der innerlichen Befindlichkeit der Menschen ist wohl die Motivation für solches Arbeiten. Dabei treibt die Künstlerin ein betörendes Spiel mit den Form- und Farbelementen.
Bestechend sind das hohe technische Können und der sichere Geschmack bei Zeichnung, Lasur, Farbwahl und Komposition.
Gut zu der Flächenkunst von Nicola Klemz passen die dreidimensionalen Objekte, insbesondere die Fabelwesen des exzellenten Keramikers Axel Beinroth. Da thront ein großes buntes Sphinxgetier über dem Treppenhaus des Torturms und balanciert einen goldenen Ball auf seinem Riesenschnabel, auf dem auch noch eine Nase hervorlugt. Im Oberstock hocken auf einer runden gelben Säule, die blau gepunktet ist, groteske Menschen und Tierfiguren, jede Einzelne kurios gestaltet. Auch die ungegenständlichen Objekte Beinroths beweisen die Einfallskraft und das technische Können ihres Schöpfers.