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Ein altes Märchen

"antiguo cuento de hadas"


Klemz(Knop): antiguo cuento de hadas

{medidas} Bildmaß: 28cm x 25cm   (1981)
{de propiedad privado} in Privatbesitz

zu sehen auch im Märchen-Kalendarium "Karl-Lottchen und Charlotte" von Ebo Rau
(Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V.)

Inspiriert durch dieses Bild ein Märchen
verfasst von Anu Maarit Stoor:

Die Pfauenprinzessin:

Tief im Nordsüden lebten einst ein König und eine Königin in einem prächtigen Schloss, das hoch oben auf einem Felsen thronte. Die beiden hatten nur ein einziges Kind, das war eine Tochter. Und als sie heranwuchs, da sah jedermann, dass sie wunderschön war, so rein schimmerte ihre schneeweiße Haut, so sehr glänzten ihre apfelroten Lippen, so tief und wissend strahlten ihre großen, dunklen Augen.

"Wie schön sie ist!" riefen die Kammerzofen am Morgen, wenn sie aufstand. "Wie schön sie ist!", riefen die Berater des Königs, wenn sie den Thronsaal betrat. Solange sie noch ein Kind gewesen war, hatte sie das Gerede der Leute einfach überhört, aber jetzt begann sie schüchtern zu erröten, wenn über ihre Schönheit gesprochen wurde. Und als sie schließlich das vierzehnte Lebensjahr erreicht hatte, verwandte sie viele Stunden des Tages darauf, ihr Spiegelbild zu betrachten und sich Gedanken über ihr Aussehen zu machen. Selbst für ihren täglichen Spaziergang im Schlossgarten legte sie ihr zartestes weißes Seidenkleid an, trug den prachtvollen magnolienfarbenen Umhang mit der Fransenschleppe und setzte sogar ihr kleines goldglänzendes Krönchen auf den Kopf. "Wie schön sie ist!", riefen die Gärtnerjungen, und die Prinzessin errötete nicht mehr, sondern lachte aufreizend und ließ ihre langen, dunklen Augenwimpern spielen.

Die Eltern sahen vom Thronsaalfenster aus in den Schlossgarten und beobachteten das kokette Spiel mit Missfallen. "Diese Eitelkeit!", rief der König. "Hätten wir doch lieber gleich einen Pfau zur Tochter!", und kaum hatte er die Worte ausgesprochen, da ertönte vor dem Fenster ein lautes Donnern und Brausen. Vor den Augen des erschrockenen Königspaares tat sich unter dem Schlossfelsen eine tiefe Schlucht auf, in der dunkles Wasser emporstieg. Jenseits des Wassers ragten die Reste des Schlossgartens als kleine Insel empor, aber die Prinzessin war verschwunden. An ihrer Stelle saß dort ein Pfau mit einem prächtigen Federkleid aus weißen und magnolienfarbenen Federn und mit einer kleinen goldglänzenden Krone auf dem Kopf. Aus seinen wunderschönen lang bewimperten Augen schaute er sehr traurig drein. Ein grauweißer Nebel begann in dichten Schwaden die Schlucht zu füllen und raubte in wenigen Momenten den Eltern die Sicht auf ihre verwunschene Tochter.

Die Eltern brachen in Tränen aus und wollten alle Berater und Weisen des Königreichs in den Thronsaal rufen lassen, um Rat zu suchen, wie die Tochter von der Verwünschung erlöst werden könne. Aber sie konnten den Blick nicht vom Fenster und von dem Fleck wenden, an dem ihre Tochter verschwunden war, auch wenn nichts zu sehen war als dichter Nebel. Und sie konnten sich nicht bewegen und nicht sprechen und niemanden fragen, nur weinen. Und als sie den ganzen Tag und die halbe Nacht geweint hatten, schliefen sie vor Erschöpfung ein.

In dieser Nacht träumten König und Königin denselben Traum. Es erschien ihnen Melikor, der Zauberer. Er war einer ihrer Berater, und er war böse, aber das wussten sie nicht. "Verwunschen ist verwunschen!" ließ Melikor seine Stimme hören, die klang so kalt, dass der Traum im Kopf des Königs zu eisgrauem Nebel gefror. "Aber ich sage Euch auch, wie Eure Tochter erlöst werden kann. Wenn Ihr aus dem Fenster schaut, dürft Ihr Euren Blick niemals hinüber zur Pfaueninsel wenden. Nur wenn Ihr dieses Gebot sieben Jahre lang befolgt, dann wird Eure Tochter erlöst werden." Und die Eltern gelobten zu tun, was Melikor verlangte.

In derselben Nacht erschien Melikor auch der verwunschenen Prinzessin im Traum. Als sie merkte, dass sie verlassen und ihrer menschlichen Gestalt beraubt worden war, hatte sie sich müde geweint und war schließlich erschöpft eingeschlafen. "Verwunschen ist verwunschen!" ertönte Melikors Stimme, und die war so schneidend, dass der Traum im Kopf der Prinzessin in tausend Fetzen ging. "Aber ich sage Dir, wie Du erlöst werden kannst. Niemals darfst Du Deinen Blick zum Schloss Deiner Eltern hinüberwenden. Nur wenn Du dieses Gebot sieben Jahre lang befolgst, wirst Du erlöst werden!" Und die Prinzessin versprach zu tun, was der böse Zauberer verlangte.

In Wirklichkeit hatte Melikor nur auf eine Gelegenheit gewartet, der Königsfamilie zu schaden. Er wollte den Thron rauben, und er wusste, dass die Kraft der Liebe seinen bösen Zauber sofort brechen würde, wenn Eltern und Tochter sich in die Augen sähen.

Von nun an saßen die Eltern jeden Tag am Fenster des Thronsaals, tauchten ihre Gedanken in den trüben Nebel, ließen ihre Augen im tiefen dunklen Wasser versinken und weinten bittere Tränen. Aber sie trauten sich nicht, ihren Blick zur Insel hinüberzuwenden und zu schauen, ob ihre Tochter noch dort saß.

Die Pfauenprinzessin saß jeden Tag am Ufer ihrer Insel und weinte herzzerreißend. Und um ja der Versuchung zu widerstehen, zum Schloss der Eltern hinüberzusehen, drehte sie ihren Kopf nach hinten, so weit sie konnte, und schaute rückwärts, sodass die Tränen ihr Rückengefieder netzten und an der prächtigen Pfauenschleppe herabliefen.

Am siebten Tag jedoch hörte die Pfauenprinzessin eine Stimme. "Ich bin die Nebelfee, ängstige dich nicht! Du kannst mich sehen, ich bin hier oben in der weißen Wolke. Ich weiß, wie Du erlöst werden kannst." Doch die Prinzessin wandte sich nicht um und sprach: "Du bist Melikor und willst mich nur in Versuchung führen, dass ich meinen Blick wende. Gehe hinfort! Ich werde das Gebot nicht brechen, denn wenn sieben Jahre um sind, will ich meine geliebten Eltern wiedersehen!"

Und es vergingen sieben weitere Tage, da hörte die Pfauenprinzessin dieselbe Stimme, dieses Mal direkt von vorne über dem Wasser. Und wieder sagte die Stimme, sie sei die Nebelfee. "Du kannst mich sehen, ich bin hier vorne in einer weißen Nebelschwade. Wenn Du erlöst werden willst, musst Du nur in den Wasserspiegel schauen!" Doch die Pfauenprinzessin widerstand abermals der Versuchung, ihren Kopf nach vorne zu wenden und rief zornig: "Das Schauen in den Spiegel hat mir und meinen Eltern nichts als Unglück gebracht. Du bist Melikor! Ich glaube Dir nicht, und ich werde das Gebot nicht brechen!"

Als abermals sieben Tage vergangen waren, hörte die Pfauenprinzessin erneut die Stimme. Dieses Mal kam sie von hinten, aus der Richtung, in die die Prinzessin schon so lange ihren Kopf gewendet hatte. "Du kannst mich sehen, ich bin direkt hinter Dir. Wenn Du erlöst werden willst, dann wende Deinen Kopf und blicke in den Wasserspiegel. Du wirst das Gebot damit nicht brechen!" sprach die Stimme, und sie war so hell und so zart, dass die Prinzessin ihre verweinten Augen öffnen musste. Da erblickte sie direkt hinter sich einen hohen Baum aus lichtweiß schimmerndem Nebel. Der strahlte so hell und war so bezaubernd schön, und die Kraft des Lichtbaums drang direkt in ihr Herz. Da wusste die Prinzessin, dass die Stimme nicht gelogen hatte und dass es wirklich die gute Nebelfee war, die zu ihr sprach.

Da wandte die Prinzessin endlich ihren Kopf und blickte in den dunklen Wasserspiegel. Und nicht ihr eigenes Antlitz spiegelte sich darin, sondern sie sah das Schloss und das Fenster des Thronsaals und darin die Gesichter ihrer geliebten Eltern, die ebenfalls hinab ins Wasser schauten. Und im selben Moment tropfte eine schwere Träne vom Fenster ins Wasser hinab. Als die Prinzessin sah, dass ihre Eltern um sie weinten, da konnte sie nicht länger an sich halten und wandte ihren Kopf direkt zum Fenster des Thronsaals, und in diesem Augenblick lichtete sich aller Nebel und das dunkle Wasser und die tiefe Schlucht verschwanden. Und dieses Wunder bemerkten auch die Eltern, und auch sie konnten nicht länger widerstehen und schauten zur Pfaueninsel hinüber und sahen ihre Tochter, die dort saß und weinte - dieses Mal vor Glück. Und als die Blicke von Eltern und Tochter sich trafen, da gewann die Prinzessin ihre menschliche Gestalt zurück.

Und es wurde ein Wiedersehensfest gefeiert, das war so freudig und rauschend, das dauerte drei Wochen. Der böse Melikor war seiner Macht beraubt und wurde für immer verbannt aus dem Königreich. Und die Prinzessin hat noch viele Male in den Spiegel geschaut. Aber sie hat in den Spiegeln nicht mehr nur sich selbst gesehen, sondern immer auch die Menschen, die sie am meisten liebte.

(Anu Maarit Stoor, 14.2.2005)
eMail: anu.anu@web.de

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eMail: Klemz, zusammengestellt mit Unterstützung von Leye, aktualisiert am  16.12.2016   ©NicolaKlemz
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